Erfahrungen

Auslandserfahrungen, Lernen einer neuen Sprache, auf eigenen Beinen stehen, aktiv an einem interessanten Projekt mitarbeiten, Heraus aus dem Alltag – hinein in eine neue Welt, unbezahlbare Erlebnisse und Eindrücke sammeln, aus den gewohnten Bahnen ausbrechen, mal etwas komplett Neues machen und neuen Menschen kennen lernen…
In diesem Bereich der Homepage schreiben Freiwillige und Volontäre von Ihrem Auslandspraktikum. Vielen Dank den motivierte Menschen für Ihre Einblicke, Informationen und Einblicke über Ihre Zeit bei Benposta Venezuela in Südamerika.

Nun ist noch ein weiterer Bericht von einer Volontärin gekommen, den ich hier gerne teile:

Lea aus Deutschland, 20 Jahre alt, Volontariat September 2012 bis April 2013

Jetzt bin ich schon mehr als vier Monate hier in Venezuela.

Es ist sehr schön, mit den Kindern zu leben und sie in Ihrem Alltag zu begleiten. Morgens gehen die Kinder in die Schule, die direkt auf dem Gelände von Benposta steht. In dieser Zeit helfen die Freiwilligen in der Küche oder in dem Kindergarten mit.

Jeden Tag kommen die Kinder aus Los Frailes um hier zur Schule, beziehungsweise zum Kindergarten zu gehen. Diese Kinder essen bei Benposta auch zu Mittag und bleiben manchmal für die Nachmittagsaktivitäten mit den Freiwilligen. Leider fehlt es an professionellem Personal. Zum Beispiel im Kindergarten: die eingestellten Frauen kommen wann sie wollen, manchmal auch gar nicht. Wenn sie dann da sind legen sie sich hin zum schlafen, setzen sich in eine Ecke oder putzen anstatt sich um die Kinder zu kümmern.

Die indigenen Mütter kennen keine Kindererziehung.

Die Kinder toben aussenrum, schmeissen mit den Spielsachen herum, schlagen sich, schreien weinen und machen Chaos. Die Mütter lassen sich kaum davon stören oder sind damit überfordert. Zunächst wussten wir nicht mit der Situation umzugehen und haben die indigenen Frauen gemieden. Auch wenn wir den Frauen etwas von unseren eigenen Kindergartenerfahrungen vermitteln, kooperieren sie kaum. Es ist als ob wir an sie vorbei reden würden. Die Frauen kennen keine Kindererziehung, selber haben sie so was noch nie erlebt. Daher kann man ihnen kaum einen Vorwurf machen, auch wenn uns die Situation oft wütend macht. Für die Volontäre ist es nicht einfach, da wir auch keinerlei Ausbildung in pädagogischer Hinsicht haben. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir alle Spiele, Kinderlieder, Gedichte die wir können, auf Deutsch sind.

Wissbegierig lernen die internen Kinder, was wir ihnen beibringen

Es macht Freude zu sehen wie die Kinder wissensgierig lernen, verschiedene Armbänder knüpfen und sichtlich Spass daran haben. Die Kinder haben mit uns Freiwilligen das erste Mal in ihrem Leben mit Aquarellfarben gemalt. Zuerst waren sie etwas skeptisch doch mittlerweile lieben sie es zu malen. Auch sportliche Aktivitäten sind hier vor allem bei den Jungs sehr beliebt. Hier gibt es einen grossen Rasen mit zwei Holzpfählen als Tor in den Boden gesteckt, zum Fussballspielen. Auch Volleyball spielen sie total gerne. Es fehlt zwar noch an einem Volleyballnetz, aber es lässt sich bisher auch ganz gut über eine, durch äste markierte Linie spielen. Wenn man die Jungs beim Spielen erlebt, sieht man, wie sie sich gerne richtig verausgaben würden, aber eine professionelle Sporterziehung können wir Ihnen leider nicht bieten.

Herausforderungen

Es fehlt an professionellem Personal, deswegen  wohnen bei Benposta in Los Frailes momentan nur zweiundzwanzig Kinder und Jugendliche. Das macht es auch für die Freiwilligen ein bisschen schwer: dadurch, dass die Leute vor Ort nicht gerne kommunizieren, hat man oft das Gefühl, den Leuten sei es egal ob man da ist. Wir kamen darauf, dass eine der Sinnvollsten Aufgaben ist, mit den Kindern Lesen und Schreiben zu üben. Wir haben auch oft Schwierigkeiten Ideen und Anregungen umzusetzen, da keiner Vorort ist, der bereit oder in der Lage ist uns bei der Umsetzung zu unterstützen. Und Maria Luisa hat eben nicht immer Zeit sich unsere Ideen anzuhören. Es war für uns auch etwas schwer, dass keinerlei feste Regeln oder ähnliches vorhanden waren. Allerdings kann man den Leuten vor Ort auch keinen Vorwurf machen, da sie selbst auch keine Regeln gewöhnt sind.

Wir wissen zwar, dass die Probleme der Freiwilligen zweitrangig sind, aber falls nach aller Verbesserung noch Kapazitäten frei sind, könnte man den Freiwilligen, das  Toilettenpapier gesondert zukommen lassen. Denn es hat immer sehr wenig und manchmal geht der Allgemeinvorrat aus und wir sind das nicht so gewöhnt wie die Einheimischen vor Ort…:D)

Ein aktueller  Erfahrungsbericht über das Auslandspraktikum bei Benposta Venezuela

Von  Oktober 2012 bis Februar 2013 hat Helena Hinterding, die bei Benposta Venezuela als Volontärin gearbeitet und teilt ihre Erfahrungen mit:  Freiwilligenarbeit-Erfahrungsbericht-Benposta-Venezuela-2013 (PDF)

Erfahrungsbericht über die Freiwilligenarbeit bei Benposta Venezuela

Viviane Schilling schreibt am 5.7.2013:

Meine Eindrücke von Venezuela sind sehr vielfältig:

Ich muss sagen mir hat es wirklich sehr, sehr gut gefallen und ich würde jederzeit wieder dort hingehen wenn ich könnte. Ich vermisse dir Leute und das Leben wirklich sehr, denn ich hab die Kinder und die Jungs wirklich ins Herz geschlossen!

Am Anfang bin ich ja in Macuto angekommen und erstmal ein paar Tage geblieben in der Schule dort. Übernachtet habe ich ja bei Patricio und seiner Familie. Die Schule dort hat mir sofort gefallen, besonders weil die Leute sehr freundlich waren und mich sofort aufgenommen haben.

Danach bin ich mit Maria Luisa in ihr Haus gefahren, und nach einigen Tagen nach ,,Los Frailes´´gekommen. Am Anfang war alles ziemlich schwer und obwohl ich natürlich wusste was mich erwartet, war ich manchmal trotzdem sehr erstaunt (Aber ich denke das ist normal wenn man zum ersten Mal sowas erlebt). Dort angekommen habe ich mich gleich sehr gut mit den anderen Freiwilligen verstanden. Nach einigen Tagen wurde ich ja dann leider krank und war für ein paar Tage außer Gefecht gesetzt.. Naja sowas kann passieren, aber zu dem Zeitpunkt war es alles ein bisschen viel. ( Mein größtes Problem war wirklich die Ernährung, weil mir vorher nicht klar war, dass wir jeden Tag das selbe essen und es kein Gemüse oder Früchte gibt.) Aber man gewöhnt sich ja an alles und nach ca einer Woche hatte ich mich gut eingelebt und die Zeit mit den Kindern genossen. Es war wirklich eine tolle Zeit. Wir haben mit den Kindern gespielt, ab und zu unterrichtet wenn die Lehrer nicht kamen und oft gemalt. In Benposta wurde auch ein neuer Kindergarten für die Babys und Kleinkinder von Los Frailes und Umgebung eröffnet und so kam es, dass wir auch täglich die Babys dort betreut haben.

Nach ca. 3 Wochen ging es dann für eine Woche in Maria Luisas Haus und auf die Isla de Toas, eine Bekannte besuchen.

Wir haben Maracaibo besichtigt und es war eine gute Zeit.

Als wir nach 3 Tagen Chichiriviche dann nach Macuto zurückgekehrt sind habe ich mich sehr gefreut, weil ich mich von Anfang an sehr in der Schule dort eingelebt hatte. Die Jungs sind mir sehr ans Herz gewachsen und es war auch sehr spannend die Unterschiede zwischen den ,,Muchachos´´ von Benposta und den externen Schülern festzustellen. Dort in der Schule habe ich im Kiosk geholfen, den Unterricht in den Klassen besucht und auch ein bisschen selbst unterrichtet, mit den Jungs ein bisschen Sport gemacht und versucht an der Akrobatik teilzunehmen.

Als ich dann letzte Woche Venezuela verlassen habe, war ich sehr traurig und bin es auch immernoch. Ich wäre gerne noch etwas geblieben….

Diplomarbeit über das Auslandspraktikum bei Benposta Venezuela

Christian Kocher hat beispielsweise nach seinen neun Monaten Auslandspraktikum bei Benposta Venezuela in Los Frailes seine Diplomarbeit über das Projekt geschrieben: “Benposta – Los Flaires: Über Möglichkeiten und Grenzen der sozialen Arbeit in Venezuela”   Das Fazit könnt Ihr auch hier nachlesen.

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Venezuela 28. März 2004

Hola mi querido, mi querida,

bin am Flughafen. Fuehl mich hier fehl am Platz. War acht Tage an der Grenze Kolumbiens. Zulia, der reichste Staat Venezuelas, dort wo das Erdöl für die USA und ganz Europa gefördert wird. Dort
sterben die Kinder an Hunger und Unterernährung. Benposta, hat hier kurz bevor ich gekommen bin ein Jungen beerdigt. Sechs Jahre alt, acht Kilo schwer.

Añu heißt die eingeborene Volksgruppe, die in Palafitos (Pfahlbauten-Siedlung) wohnen. Venezuela hat seinen Namen von den Seefahrern, die hier ein Klein-Venedig vorfanden. Die Añus sind Künstler im fischen und Korbflechten. Sie wohnen auf dem Wasser, unter Kokospalmen oder bei den Mangroven. Doch werden sie von den Guijaras vertrieben, weg von der Lagune hinein ins Landesinnere in Richtung der Grenze zu Kolumbien. Dorthin flüchten auch kolumbianische Familien, aus Angst vor den Guerillas. Genau dort beanspruchen aber auch die reichen Großgrundbesitzer ihr Land für sich, ihre Viehzucht und Landwirtschaft. Die einzige Möglichkeit hier zu überleben ist sich zu “verkaufen”. Die ganze Familie, im durchschnitt mit sieben Kindern, damit sie ihren täglichen Reis verdienen können. Sie wohnen mit den Tieren im Stall.

Benposta tritt dem Staat die Türen ein. Wir sind mit den Kids vor den Palast des Präsidenten gesessen, bis sie mit Lebensmitteln und Lastwagen für die Hauskonstruktion angefahren sind…. Aus Japan wurde Schulmaterial und velos gesandt für den Unterricht, der zur Zeit noch im Freien stattfindet. Mittags kommen 120 Kinder und füllen sich freudig den Parasitenbauch….. Meine italienische Spaghetti-Sauce haben die
kleinen nicht zu schätzen gewusst – war es doch das erste Mal, dass sie Tomaten im Teller hatten…

Wie in allen vergessenen Flecken auf unserem Planeten sind die katholischen Missionare die, die wirklich Hand anlegenen, und nicht nur schön reden. Ja, ich stecke in einem Dilemma. Lege (zu-)viel Kritik an. Frage, warum die leute hier Matratzen statt Hängematten geschenkt bekommen oder warum sie sich nicht gegenseitig lausen dürfen, ist es doch ein Akt der Zuneigung? Und meine Spaghetti-Sauce? So verliert sich eine wertvolle Kultur. Beeinflusst von kolumbianischen Bräuchen und der missionarische Einfluss, der jedoch unersetzlich ist, wenn diese Bewohner hier nicht in ihrer eigenen Armut elend zugrunde gehen wollen.

98 prozent der Erwachsenen sind Analphabeten. Es ist lustig, ihnen ihren eigenen Namen schreiben zu lehren. Stolz zeigen sie ihr neue Identitaetskarte. Doch fehlt ihnen auch bald ein Fernseher und die Waschmaschine? An das Tragen von Schuhen, werden sie sich aber nicht so schnell gewöhnen!

Wichtig, falls Du jemanden kennst, der gerne zwei Monate als Freiwilliger arbeiten möchte, Benposta sucht für die interne Betreuung (ca. 20 Kinder) dringend Freiwillige für Unterricht, Haushalt, Basteln, Sport,
Hauskonstruktion, Laustante, Zahnpflege oder was auch immer Du kannst. Es wartet hier eine wunderschoene Kinderschar und eine riesig liebe und grossartige Projektleitung!
Weitere Informationen bei mir. Email: mi.pete(at)gmx.net

Hier ein Foto mit einem Teil der Dorfbewohner vor einem Palafito. Siehst Du, dass sie zum ersten Mal in eine Kamera schauen?

Allerwaermste Grüße, Moskito verstochen aber mit tiefzufriedener Seele,

Michele